Morgen bin ich nun seit vier Wochen hier und ich kann sagen, dass ich mich richtig gut eingelebt habe. Ich genieße das Leben hier sehr und das Wetter hat sich nun auch stabilisiert, nachdem ich am Anfang eine ungewöhnlich verregnete Phase erwischt hatte.
Ins Spanisch habe ich mich auch gut wieder eingefunden und in die Familie bin ich bestens integriert. Die Menschen hier sind offen und freundlich, die Mentalität erinnert mich das ein oder andere Mal stark an Zentralamerika; ich glaube das gute Wetter macht die Menschen einfach entspannter und hilfsbereiter. Eile kennt man hier eher wenig, fast jeder hat Zeit für ein kurzes Gespräch oder einen ein Stück zu begleiten, wenn man nach dem Weg fragt. Jeder grüßt jeden, am Anfang dachte ich die kennen sich alle ;-)... Besonders Santa Cruz, die Inselhauptstadt, hat es mir angetan, mit den besten Shoppingmöglichkeiten, wunderschönen Parks und Cafés zum draußen sitzen und ständigen Blick aufs Meer beim Schlendern durch die Fußgängerzone.
Andere Kulturunterschiede (vllt. Sind es auch Gewohnheiten meiner Familie, aber im Gespräch mit anderen Au-Pairs wurden mir die Erfahrungen bestätigt) sind mir eher etwas suspekt. Generell spielt das Essen eine wichtige Rolle: Olivenöl ist die wichtigste Zutat und damit darf auf keinen Fall gespart werden. Jedenfalls wird viel und gerne gegessen (und ein „Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr“ wird nicht wirklich akzeptiert), aber eine Esskultur gibt es nicht so wirklich. Sachen, die für mich eigentlich selbstverständlich sind, existieren hier nicht. Man wartet nicht aufeinander mit dem anfangen und man wünscht auch keinen guten Appetit. Wenn man fertig gegessen hat, bringt man seine Sachen zur Spüle und steht auf. Am Ostersamstag waren wir bei Onkel und Tante zum Essen eingeladen – ich dachte das wird ein richtiges gemeinsames Essen. Der Vater und ich kamen als erstes an, haben uns also gesetzt und ein bisschen gegessen. Dann hat sich der Onkel dazugesetzt. Wir waren dann fertig, als Tante und Oma kamen, also haben sie auch etwas gegessen, der Onkel hat dann nebenher schonmal gespült und gesaugt. Dann kam noch meine Gastmutter und zwischendurch kamen die Kinder vorbei um etwas abzugreifen. So jedenfalls läuft hier ein Familienessen ab, man geht und kommt, der eine spült, der andere ist ein bisschen draußen oder schnell noch was besorgen. Mein Schicksal war, dass ich die ganze Zeit am Tisch saß und demnach die ganze Zeit essen musste =D. Beim normalen Mittagessen in der Familie läuft auch oft nebenher der Fernseher, auch so eine Angewohnheit, die ich nicht unbedingt berauschend finde. Aber nun gut, man muss den Fernseher in der Küche ja auch nutzen. Es gibt auch nur etwa vier Fernseher im Haus. Beim Onkel hängt sogar einer in der Garage. Allerdings gab es für Noé diese Ferien ein von den Eltern initiiertes Fernseh- Verbot, was ich echt sinnvoll fand und was auch eingehalten wurde. Denn sonst war mit Noé am Wochenenden und in den Ferien kaum was anzufangen, weil er immer nur darauf gewartet hat, dass er sich vor die Glotze setzen kann und sich dort für Stunden nicht mehr wegbewegte.
Diese Ferien war er viel unterwegs, ich glaube er hat nur zwei Nächte zu hause geschlafen und war sonst immer bei Onkel, Oma oder sonstwo untergeschlüpft. Ich hab ihn etwa eine Stunde am Tag gesehen, da wir jeden Tag ne Stunde Mathe, Deutsch und Spanisch machen mussten. Alba war oft mit ihrer Mutter bei der Arbeit und auch nur etwa zwei oder drei Tage mit mir zuhause, somit habe ich beide Kinder nicht allzu viel zu Gesicht bekommen, was auch nicht unbedingt tragisch war ;-).
Die Welpen sind heute eine Woche alt und neun sind wohlauf. Gestern ist das Kleinste und Schwächste gestorben, davor waren es zehn Welpen (am ersten Tag hatten wir uns verzählt. Insgesamt waren es sogar 12, aber zwei sind direkt gestorben und el flacito nun gestern). Ansonsten waren die Ferien recht gemütlich, ich war viel in Santa Cruz oder La Laguna unterwegs, war Schwimmen und ansonsten im Garten die Sonne genießen. Montag heißt es dann wieder früh aufstehen und dann startet die letzte Etappe bis zu den Sommerferien. Hier haben die Kinder dann durchgängig Schule, Pfingstferien gibt es anscheinend nicht. Ich hoffe, dass ich bald dazu komme, noch ein paar größere Unternehmungen zu starten, mit anderen Mädels oder mit der Familie. Ich hab schon fast das Gefühl, dass mir die Zeit davon rennt, der erste Monat ist ja fast schon rum. Nächste Woche will ich mal ein bisschen mit dem Fotoapparat durch Santa Cruz schlendern, dann gibt es auch bald ein paar neue Bilder.
Viele Grüße von der Insel!
Hasta luego, Miriam
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