Da sich doch keine weiteren Freiwilligen gefunden hatten, starteten wir die Mission zu zweit: den Aufstieg auf den Teide bei Nacht, um den Sonnenaufgang am höchsten Punkt Spaniens zu erleben. Die Voraussetzungen waren perfekt: Vollmond, sternklarer Himmel und angenehme Temperaturen, vor der Kälte hatte ich im Voraus den größten Respekt gehabt.
Start um 1 Uhr nachts am Parkplatz "Montana Blanca".
Höhenunterschied bis zum Pico: 1400 Meter.
Die erste Stunde war wirklich mehr ein Spaziergang, aber genau richtig um sich an die Höhe zu gewöhnen und langsam einzustimmen.
Ein breiter Weg führte uns über die Mondlandschaft, unsere Taschenlampen waren tief vergraben im Rucksack, der Mond erleuchtete uns den Weg.
Die klare und saubere Luft und die Stille (es ist so leise, dass man meint, die Stille hören zu können) sind beeindruckend.
Nach etwa einer Stunde passieren wir die "Huevos" riesige Steinbrocken, die im Lavastrom nach dem Prinzip einer Schneelawine entstanden sind. Fotos lohnen sich in der Dunkelheit jedoch nicht.
Wir sind gemütlich unterwegs und frohen Mutes - ein echter Spaziergang in besonderem Ambiente.
Nach geschätzten 1,5 h verändert sich der Weg radikal. Ab nun geht es nur noch bergauf, über steinige "Wege" (= loses Geröll). Hier wird langsam der Konditionsunterschied deutlich, unser Abstand vergrößert sich, Marisa hat deutlich mehr zu schaffen und ist langsamer.
Nach etwa weiteren 1,5 h wird es langsam ungemütlicher: der nächste Anhaltspunkt, das Refugio Alta Vista kommt und kommt einfach nicht in Sicht und langsam fangen wir an zu zweifeln, ob wir es rechtzeitig bis nach oben schaffen. Aber es geht immer weiter, Schritt für Schritt.
Und irgendwann kommen wir an der Hütte an und überraschenderweise liegen sogar Leute in Schlafsäcken davor, also sind doch noch nicht alle zum Gipfel aufgebrochen?!?
Ohne große Pause geht es weiter. Die Steigung zieht noch einmal an, aber wir wissen: Der Gipfel kann nur nicht mehr mehr als 1,5 h entfernt sein. Also immer weiter.
Ich habe den Pico im Visier, als sich der Himmel langsam rot färbt, aber bis nach oben reicht es nicht. Doch der Blick ist auch einige hunder Meter weiter unten wunderschön, und so erlebe ich den Sonnenaufgang ganz alleine auf einem Felsen - ganz exklusiv. Diese Einsamkeit hätte ich auf dem Pico nicht gehabt ;) .
Nachdem die Sonne aufgegangen ist strebe ich zügig dem Gipfel entgegen und warte an der Seilbahnstation auf Marisa. Letzten Endes entscheiden wir uns gegen den Aufsteig zum Pico, der Teide läuft mir sicher so schnell nicht weg und der Aufstieg zum Pico ist (mit Genehmigung) auch nach der Auffahrt mit der Seilbahn möglich.
Das Warten auf die Seilbahn gestaltet sich dann doch etwas eisig, aber mit heißer Schokolade im Rucksack hatten wir für den Fall der Fälle vorgesorgt. Es war auch nur der kalte Wind, der gestört hat, die Sonne hat mir auch in der kurzen Zeit fast schon das Gesicht verbrannt.
Fazit: tolle Erfahrung, mit der Zeit hatten wir uns etwas verkalkuliert, bzw die Anstrengung unterschätzt. Trotzdem war es super und hat mich gefreut, dass Marisa den Mut hatte, denn sonst wäre mir der Aufstieg bei Nacht entgangen.
Wir wollen gerne irgendwann noch einmal aufsteigen, allerdings ein bisschen geplanter, mit Übernachtung im Refugio (so teilt man die Strecke auf zwei Tage auf) und dadurch mehr Zeit und Ruhe.
Auf der Rückfahrt hatten wir nochmal schöne Ausblicke auf den Teide in seiner vollen Pracht!
(weitere Fotos gibt es in dem Album "Ausflüge und mehr")
Montag, 8. Juni 2009
Abonnieren
Posts (Atom)
